Was ist an deiner Sprache sexy?

Mit „sexy“ meine ich natürlich nicht das erotische Geflüster, mit dem du die eine oder andere Person zu frohlocken vermagst. Nein, es geht darum, was du an der Sprache toll findest, die du lernst.

Was genau ist sexy? Wie definierst du es?

Die Idee, die sich hinter „sexy“ verbirgt kommt natürlich von der menschlichen Beziehung und damit von der sexuellen Anziehungskraft zwischen zwei Menschen. Wie definieren wir es denn bei einem Menschen? Was veranlasst uns dazu jemand anderen als sexy zu bezeichnen? Ist es nicht immer eine ganz bestimmte Eigenschaft?

Also entweder ist es der Körper (und vermutlich auch nur ein bestimmter Aspekt dessen). Oder es ist die Intelligenz, die Wortgewandtheit, die Spontanität, das Einfühlungsvermögen und so weiter und so weiter. Und genauso ist es bei einer Sprache, nicht wahr?

Es ist noch gar nicht so lang her, da hatte ich entschieden eine nordische Sprache zu lernen. Die engere Wahl fiel auf Dänisch, Schwedisch und Norwegisch. Warum ich mich für Dänisch entschieden habe? Es war die Anziehungskraft der Sprache, die ich auf kulturelle Zugehörigkeit und Ähnlichkeit zurückführe. Auf der logischen Ebene hätten Norwegisch und Schwedisch vermutlich gewonnen, weil ich verschiedene Punkte einfach subjektiv besser finde.

Bei einer Liebesbeziehung ist es ähnlich. So gibt es immer eine Person, die intelligenter, hübscher, witziger und so weiter ist. Es ist aber die eine Eigenschaft, die mich an eben dieser Person fasziniert, die ich gern habe.

Und welche Eigenschaften können an Sprachen sexy sein?

Der Klang der Sprache

Das ist der Klassiker. „Oh, es klingt so schön, wenn du sprichst.“ Kennst du diesen Satz? Man schmilzt einfach dahin, wenn man die Sprache irgendwo hört. In der Zeitung Die Welt gab es vor einigen Jahren einmal einen interessanten Artikel zu mit dem Titel „Warum Deutsch hart klingt – und Arabisch forsch„.

Der Gegentest ist dann, wenn man die Sprache mit einem anderen Akzent gesprochen hört. Also, nehmen wir an, ich hätte mich in Brasilianisches Portugiesisch verliebt und höre dann einen Portugiesen sprechen. Oder es ist amerikanisches und britisches oder australisches Englisch. Und so weiter.

Die Eleganz der Schriftsprache

Meist kommt dieser Aspekt erst viel später zum Tragen, nämlich dann, wenn man die Sprache bereits kann. Vielleicht lässt sich das mit einem Lebenspartner vergleichen, mit dem auf eher unspektakuläre Weise zusammengekommen und zusammengeblieben ist. Über die Jahre lernt man ihn dann immer besser kennen und lieben.

Bei mir war das so mit Englisch. In der Schule war es ein Muss, privat habe ich es nicht wirklich gebraucht und erst später, als ich anfing englische Literatur zu lesen, entdeckte ich, wie tief und wortreich die Sprache doch ist.

Und noch etwas später habe ich mich auch in den Klang des britischen Englisch verliebt. Späte Liebe sozusagen.

Die Faszination des Alphabets

Das ist wirklich rein optisch. Es steht die wunderschöne Person vor einem und man kann den Blick nicht von ihr ablassen. Wie hypnotisiert starrt man sie an – und es muss für einen Außenstehenden wirklich dämlich aussehen.

Ein neues Alphabet kann für einen Sprachlerner Ähnliches bewirken. Und es muss noch nicht einmal ein neues Alphabet wie Griechisch, Kyrillisch oder Arabisch sein. Manchmal sind es nur die kleinen Dinge wie die Tilde auf dem ã im Portugiesischen, das durchgestrichene ø im Dänischen oder das umgedrehte ¿ im Spanischen.

In ein neues Alphabet muss man sich verlieben, anders geht es gar nicht.

Und wenn rein gar nichts sexy ist?

Hier kommt die Quiz-Frage: Was würdest du mit einem Partner tun, an dem du rein gar nichts toll findest? Richtig. Schluss machen. Alles andere wäre nicht nur Zeitverschwendung, sondern auch unfair.

Mit einer Sprache ist es genau dasselbe. Oder kommst du jetzt mit solchen Argumenten wie: „Aber ich muss doch Englisch reden, weil ich es im Beruf brauche.“ Schon richtig. Einige Dinge muss man tun, ob sie einem Spaß machen oder nicht.

Im richtigen Leben wäre das bei mir zum Beispiel das Putzen und die Buchhaltung. Beides ist wichtig und beides kann man großenteils delegieren. Ich suche mir also eine Putzfrau und einen Buchhalter. Fertig. Mit anderen Worten, wenn ich den ganzen Tag in einer Sprache arbeiten müsste, die mir nicht gefällt, dann würde ich den Job wechseln.

Und was ist an deiner Fremdsprache sexy?

Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Carsten ist Dipl. Übersetzer, MBA, NLP-Master, Hypno-Coach und Google Certified Educator. Außerdem ist er überzeugter Polygott und arbeitet seit 2010 als Language Coach, Sprachtrainer und Blended Learning Consultant bei der Language Mining Company.

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