Vergessen – wie funktioniert das?

Wie funktioniert „vergessen“?

Das Merken von Wörtern ist dasselbe wie das Vergessen, nur anders herum. Also beim Lernen verankern wir Information im Gehirn, und beim Vergessen geht es wieder raus. Wir legen den Fokus immer nur allzu sehr auf das Merken und denken fast nie daran, dass Vergessen vielleicht die wichtigere Komponente ist.

Das ist in etwa so wie ein Eimer, den wir mit Wasser füllen wollen. Und dieser Eimer hat ein Loch. Was ist nun wichtiger: das Loch zu stopfen oder den Eimer zu füllen? Okay, also wie immer hinkt der Vergleicht und es kommt natürlich auch auf die Parameter an. So ist es wichtig zu wissen, wie groß das Loch ist, mit wie viel Liter pro Minute ich den Eimer fülle und wie lange das Wasser im Eimer bleiben soll. Und beim Sprachenlernen ist das nicht anders. Und die Analogie mit dem Eimer ist natürlich nur ein Gedankenanstoß.

Was ist lernen?

Okay, wir haben die Frage mit dem Vergessen noch gar nicht beantwortet und schon geht es mit der nächsten Frage weiter. Geduld. Geduld. Wir kommen noch zum Punkt.

Lernen bedeutet etwas Neues mit etwas Vorhandenem zu verbinden. So ist dort zum Beispiel ein Gegenstand, den ich visuell erkennen kann. Allerdings kenne ich nicht das dazugehörige Wort. Ich schlage das Wort nach oder jemand sagt es mir und schon kann ich dieses Wort mit dem Gegenstand zusammenbringen. Das Neue ist hier also das Wort und das Vorhandene ist der Gegenstand, den ich visuell identifiziert habe. Und damit habe ich ein neues Wort gelernt.

Reicht eine Bedeutung aus um das Wort zu lernen?

Das könnte vielleicht sogar die falsche Frage sein. Und die kurze Antwort ist: Ja. Und es sollten auch auf keinen Fall mehr sein. Wenn ich einmal die Bedeutung gelernt habe, kann ich sie sofort anwenden. Das nennt man auch A-B-Verknüpfung: in diesem Kontext = dieses Wort. In einem anderen Kontext könnte es dann vielleicht nicht mehr passen.

Ein Beispiel hierfür ist das deutsche Wort Auto und das Synonym Wagen. Bei den folgenden beiden Sätzen spielt es keine große Rolle, ob Auto oder Wagen sage: ‚Wir nehmen deinen Wagen.‘ und ‚Wir nehmen dein Auto.‘ Allerdings klingt dieser Satz etwas seltsam: ‚Holst du bitte ein Einkaufsauto?‘

Versuche ich allerdings alle Bedeutungen auf einmal zu lernen, dann habe ich keine A-B-Verknüpfung mehr, sondern eine A-B1, A-B2, A-B3 usw. -Verknüpfung. Das sind eindeutig zu viele Dinge auf einmal.

Unser Gehirn tickt nicht so. Tatsächlich funktioniert das Gehirn sequenziell, oder auf Deutsch: eine Sache nach der anderen. Wenn also zu viele Dinge gleichzeitig passieren oder gelernt werden müssen, dann vergessen wir schnell wieder.

Und was ist denn nun vergessen?

Vereinfacht gesagt lernen wir mit den Sinnen. Und davon haben wir fünf. Für dieses Beispiel nehme ich der Einfachheit halber nur drei: den Sehsinn, den Hörsinn und das Gefühl. Und ich vergleiche das Lernen eines neuen Wortes mit einem Schiff auf Wasser. Das Schiff ist in diesem Beispiel das neue Wort.

Das Schiff treibt nur so herum, so dass man es nicht greifen kann. Lasse ich es los, so ist es wieder weg. Genauso passiert es mit einem Wort, dessen Bedeutung ich im Wörterbuch nachschlage und kurz darauf wieder vergesse.

Werfe ich nun einen Anker. Und der Anker repräsentiert hier einen der Sinne, so kann ich das Schiff mehr oder weniger festhalten. Allerdings dreht sich das Schiff noch im Kreis. Ziehe ich dann an der Ankerkette, so ziehe ich am Schiff. Beim Wort bedeutet das, dass wenn ich den Sinn aktiviere und zum Beispiel an ein Fenster denke, dann ziehe ich damit an der Ankerkette rufe mir dadurch zum Beispiel das englische Wort ‚window‘ ins Gedächtnis.

Wir es auf See etwas stürmisch, so kann eine Ankerkette schnell reißen. Das bedeutet dann, dass ich das Wort wieder vergesse.

Aktiviere ich nun aber mehrere Sinne, also zum Beispiel den Sehsinn, den Hörsinn und das Gefühl gleichzeitig, dann braucht es schon einen gehörigen Sturm, das heißt es gehört schon etwas dazu das Wort wieder vergessen zu können.

Das Spannende ist hierbei nicht nur mit vielen Sinnen zu arbeiten, sondern darüber hinaus auch noch die Ankerketten zu verstärken. Und dafür gibt es natürlich ganz tolle und effiziente Methoden.

Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Carsten ist Dipl. Übersetzer, MBA, NLP-Master, Hypno-Coach und Google Certified Educator. Außerdem ist er überzeugter Polygott und arbeitet seit 2010 als Language Coach, Sprachtrainer und Blended Learning Consultant bei der Language Mining Company.

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