Storytelling – Wie funktioniert das?

Ich werde oft gefragt, wie ich denn in einem Deutschkurs anfangen würde, wenn es sich bei den Lernern um Anfänger handelt. Man könne doch nichts erklären. Jeder, der einmal eine „erste Deutschstunde“ mitgemacht hat, weiß, dass das so nicht stimmt. Man kann eine Sprache sogar durch bloßes Zuhören lernen. Es dauert dann etwas länger, doch auch das geht. Wenn man es allerdings vormacht, in Geschichten verpackt, nachsprechen lässt und es dann auch noch schreibt, dann nennt man es Storytelling.

Storytelling ist natürlich ein englisches Wort und klingt so nach Geschichten erzählen. Ja, das ist es auch. Nur, was hat das mit dem Sprachenlernen zu tun? Oh, sehr sehr viel. Und wenn ich von Storytelling spreche, dann meine ich ganz spezifisch die TPR- oder TPRS-Methode.

Teaching Proficiency through Reading and Storytelling

Uff, ein englischer Titel. Also machen wir es mal auf Deutsch: Kenntnisse durch Lesen und Geschichten erzählen vermitteln. Was steckt genau dahinter? Nun ja, die Idee ist recht simple. Ich erzähle eine Geschichte in einer Art und Weise, in der sie interessant ist und den Zuhörer zum Mitsprechen verleitet. Später darf der Lerner die Geschichte dann auch noch lesen.

TPR Storytelling passiert in drei Schritten. Zunächst wird das Vokabular aufgebaut, dann erzählt der Lehrer die kurze Geschichte und am Ende lesen die Schüler die Geschichte. Zum Erklären des Vokabulars setzt man in der Regel viel Gestik und Mimik ein. Eigentlich wird der Unterricht dadurch zu einer Art Theater oder besser noch eine Art Mitmachtheater. Die Geschichte wird durch ständiges Fragen aufgebaut. Der Lehrer beantwortet die Fragen natürlich selbst.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Wörter und Strukturen bis zu 100 Mal wiederholt werden. Durch die vielen Wiederholungen und verknüpft mit Gestik und Mimik fängt der Lerner schnell an zu verstehen und schon nach kurzer Zeit fängt er an die Sätze und Wörter teilweise nachzuplappern.

Wie viele neue Wörter enthält eine Story?

Es sollten nur maximal 3 neue Vokabeln eingeführt werden. Und natürlich kommen dazu noch die Wörter und Strukturen, die der Lerner bereits gelernt hat, und auch verwandte Wörter und Eigennamen. Man die Geschichte natürlich auch in Kapitel aufbauen und so eine lange Geschichte in kleinere Häppchen teilen. Die Vorgehensweise ist dabei immer dieselbe. Auch wiederhole ich Stories im Laufe eines Kurses immer mal wieder. Dann allerdings im Schnelldurchlauf zum Auffrischen.

Für welches Sprachniveau ist die Methode geeignet?

Für absolut jedes Niveau. Sowohl für lernbehinderte Analphabeten mit psychischen Problemen als auch für hochbegabte fortgeschrittene Lerner. Ganz gleich auf welchem Niveau, ich würde immer nur drei neue Wörter oder eine neue Struktur mit bekannten Wörtern nehmen.

Und die Storytelling macht Spaß für alle: Anfänger, Fortgeschrittene und auch für die Lehrer. Die Schüler machen sofort mit. Für die Lehrer – vor allem für die erfahrenen Lehrer – ist es am Anfang vielleicht eine Umstellung. Und wer das einmal erlebt hat, will danach nichts anderes mehr.

Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Carsten ist Dipl. Übersetzer, MBA, NLP-Master, Hypno-Coach und Google Certified Educator. Außerdem ist er überzeugter Polygott und arbeitet seit 2010 als Language Coach, Sprachtrainer und Blended Learning Consultant bei der Language Mining Company.

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