Sprechgeschwindigkeit meistern

Kürzlich machte einer meiner Coachees so eine Bemerkung, dass ihm die Sprechgeschwindigkeit zu hoch sei. Und sofort musste ich an eine Studie denken, in der es um Sprechgeschwindigkeit und Informationsdichte einer Sprache ging. Eine akademische Studie zu lesen ist nicht jedermanns Sache, allerdings gibt es auch einen sehr interessanten Artikel aus der Welt zu dem Thema.

In der Studie wurde herausgefunden, dass man in manchen Sprachen mehr Silben braucht, um einen bestimmten Informationsgehalt verbal zu kommunizieren. Allerdings ist der Informationsgehalt pro Minute bei fast allen Sprachen gleich. Daraus folgt, dass man manche Sprachen einfach schneller sprechen muss, damit die Menge an Information in einer bestimmten Zeit erreicht wird.

Wie schnell darf ein Muttersprachler sprechen?

Natürlich braucht unser Gehirn etwas länger, wenn es sich um eine Fremdsprache handelt. Und außerdem verbrauchen wir auch Gehirnkapazität mit dem Suchen. Wenn also jemand spricht und dabei ein Wort sagt, dass wir gar nicht kennen, dann versucht unser Gehirn dennoch Bedeutung zu geben. Allerdings erfolglos oder einfach nur falsch. Währenddessen spricht mein Gegenüber weiter und achte überhaupt nicht auf die Wörter, weil ich ja noch mit den vorigen Wörtern beschäftigt bin.

Ein Muttersprachler darf immer so schnell sprechen wie er möchte. Die meisten Muttersprachler können auch gar nicht anders. Vielleicht schaffen sie es, etwas langsamer zu sprechen, wenn man sie darum bittet, jedoch fallen sie nach kurzer Zeit wieder in ihren alten Trott, das heißt in die gewohnte Sprechgeschwindigkeit zurück. Als Zuhörer und Nicht-Muttersprachler darf ich mir dann eine Strategie überlegen, mit der ich es trotzdem verstehe. So könnte ich zum Beispiel immer mal wieder nachfragen oder das eine oder andere mit denselben Worten wiederholen. Wenn zum Beispiel jemand sagt: „Wir waren am Samstag auf einer Grillparty.“ Dann könnten Sie das aufgreifen und ganz simpel kommentieren: „Interessant, eine Grillparty.“ Vielleicht fügen Sie noch ein „Wo denn?“ hinzu und schon haben Sie eine tolle Unterhaltung, der Ihr Gegenüber als angenehm empfindet. Sie bremsen ihn mit dieser Taktik höflich aus und erhöhen das Verständnis. Dazu passt unsere vorige Episode mit dem Titel Die Wörter der Anderen.

Die eigene Sprechgeschwindigkeit

Eine Sache ist es einem Muttersprachler zuzuhören, eine ganz andere allerdings, wenn man selbst schnell sprechen möchte. Unser Gehirn kann in einer sehr kurzen Zeit sehr, sehr viele Gedanken und Bilder erzeugen. In unserer Muttersprache wissen wir, wie schnell wir sprechen können. Unsere Sprechwerkzeuge, also Rachen, Mund, Zunge usw., sind der Flaschenhals. Sie begrenzen die Sprechgeschwindigkeit. Unser Gehirn passt sich also an und produziert entsprechend weniger Bilder, sodass wir einerseits in der Lage sind die Wörter dazu auszusprechen und andererseits sollte es auch so langsam sein, dass unser Gesprächspartner uns versteht.

Komischerweise wollen wir nun in der Fremdsprache genauso schnell sprechen wie in unserer Muttersprache. Unserem Gehirn ist das erst einmal egal. Die Bilder und Gedanken sind auch in der Fremdsprache schnell produziert und das Aussprechen der Wörter geht in etwa genauso schnell. Blöd ist nur, dass uns hier und da die Wörter und Redewendungen fehlen. Damit verengt sich der Flaschenhals und wir werden nervös. Es geht nicht schnell genug.

Das ist in etwa so, als würden wir gern mit verschiedenen Menschen spazieren gehen. Es spielt kaum eine Rolle, mit wem wir gemütlich laufen. Es sei denn, wir möchten mit einem kleinen Kind oder einem gebrechlichen Greis einige Schritte gehen. So müssten wir die Geschwindigkeit verringern oder der andere bleibt zurück oder stolpert.

Bei der Fremdsprache ist das nicht anders. Man muss auch nicht jeden Satz sagen. Oder anders ausgedrückt: Man muss auch nicht immer einen ganzen Kilometer spazieren gehen. Manchmal reicht auch ein halber. Es gibt ganz einfache Techniken, mit denen man sich diese Ruhe in der Fremdsprache aneignen kann. Nervös werden bringt gar nichts, na ja, es bringt genau das Gegenteil.

Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Carsten ist Dipl. Übersetzer, MBA, NLP-Master, Hypno-Coach und Google Certified Educator. Außerdem ist er überzeugter Polygott und arbeitet seit 2010 als Language Coach, Sprachtrainer und Blended Learning Consultant bei der Language Mining Company.

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