Sprachlernapps – wie effizient sind sie?

Können Sprachlernapps den Sprachtrainer ersetzen? Muss ich weder ins Ausland noch in einen Sprachkurs?

Ich stolpere (absichtlich) über so manchen Artikel über das Thema Fremdsprachen im Internet. Oft lese ich dann erst einmal den letzten oder die beiden letzten Absätze, in denen meist ich eine Schlussfolgerung finde.

In diesem Artikel, der übersetzt so viel bedeutet wie „Wie wirksam sind denn Sprachlernapps?“ stand als Schlussfolgerung in etwa Folgendes:

Wir glauben, dass Sprachlernapps wie Duolingo eine sinnvolle Ergänzung zum Erlernen einer Fremdsprache sind – aber kein Ersatz. Sie können helfen, einige Wörter und grundlegende Konstruktionen zu lernen, aber sie ermöglichen nicht den Sprung in ein Gespräch in einer neuen Sprache. Es ist besser als nichts, aber es gibt viele weitere wirksame Möglichkeiten da draußen.

Es geht mir überhaupt nicht darum, ob diese Schlussfolgerung über Sprachlernapps und ganz speziell über Duolingo jetzt richtig oder falsch ist. Mir geht nicht darum, ob ich etwas tue oder nicht, sondern es geht darum, wie ich es tue.

Mit Sprachlernapps wie Duolingo kommt man schnell auf ca. 2000 Wörter. Nimmt man weitere Apps wie zum Beispiel Memrise hinzu, dann erhöht sich diese Zahl stark. Je nachdem wie intensiv man diese weiteren Sprachlernapps einsetzt, kann man die Anzahl der Wörter durchaus verdoppeln oder verdreifachen.

Damit ist also, was den Inhalt angeht, schon mal alles abgedeckt. Wer die richtigen Apps einsetzt, braucht keinen Sprachkurs und auch keinen Auslandsaufenthalt. Wobei beides durchaus Sinn machen kann. Es geht wieder einmal um das „Wie“ und nicht um das „Ob“.

Der wichtige Punkt, den viele, sehr viele Menschen immer wieder vergessen, ist das Aktivieren der Sprache. So, nehmen wir an, ich verbringe viele Stunden mit einer App und ich habe viel Wissen in mich aufgenommen. Mein Gehirn weiß jetzt allerdings noch immer nicht, wie es die Sprache wieder aus dem Kopf herausholen soll. Mir fehlt das kontextbezogene Wissen. Ich verstehe viel, und für einen „Sprung in das Gespräch“ reicht es noch nicht.

Mein Fazit ist also:

Wir glauben, dass Sprachlernapps wie Duolingo sinnvolle Tools zum Erlernen einer Fremdsprache sind – aber es braucht noch eine Kleinigkeit mehr. Die Apps helfen, viele Wörter und Konstruktionen zu lernen, und sie ermöglichen den Sprung in ein Gespräch in einer neuen Sprache, sofern man parallel zu diesen Apps mentale Sprachübungen macht, die Situation im richtigen Leben simulieren. Es ist besser als alles, was wir bisher kennengelernt haben, und es gibt viele weitere wirksame Möglichkeiten da draußen.

Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Carsten ist Dipl. Übersetzer, MBA, NLP-Master, Hypno-Coach und Google Certified Educator. Außerdem ist er überzeugter Polygott und arbeitet seit 2010 als Language Coach, Sprachtrainer und Blended Learning Consultant bei der Language Mining Company.

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