Quizlet und Bleistift – hin und her

Jeder weiß, was ein Bleistift ist, aber was ist Quizlet? Es ist ein Vokabeltrainer. Ein Online-Tool bzw. eine App zum Lernen, oder besser: zum Vokabellernen, weil es mir wie immer um Fremdsprachen geht. Vokabeltrainer gibt es viele. So habe ich an anderer Stelle bereits über Memrise und Anki berichtet. Aus verschiedenen Gründen nutze ich Quizlet, daher spreche ich hier auch von Quizlet und nicht von anderen Vokabeltrainern. Außerdem wird es noch weitere Quizlet-Episoden geben, also ist das hier so eine Art Einführung.

Was ist Quizlet?

Ja, richtig. Die Frage ist schon beantwortet. Noch etwas konkreter: Es geht um eine App, mit der man schnell Vokabeln – und auch ganze Sätze – lernen kann. Das englische Stichwort, für das es keine wirklich gute Übersetzung gibt, ist spaced repetition. Auf gut Deutsch: Man wiederholt etwas so lange, bis man es nicht mehr wieder vergessen kann.

Und was bedeutet Quizlet im Unterricht?

Schüler haben keine Lust Vokabeln zu lernen. Das ist zumindest meine Erfahrung. Und auch wenn man den Schülern zeigt, wie einfach es ist mit einem Vokabeltrainer Vokabeln zu lernen, so ist es sehr schwer sie dazu zu bringen es auch alleine, selbstständig und freiwillig zu tun.

Ich spreche hier von Schülern und ich meine damit genauso die erwachsenen Kursteilnehmer. Es gibt hier nämlich wirklich keinen großen Unterschied zwischen den jüngeren und den älteren Lernern.

Gerade im Unterricht Deutsch als Zweitsprache gibt es viele Schüler, die eine ganz andere Lernkultur haben als es bei uns üblich ist. Um sicherzugehen, dass die Schüler auch wirklich mit dem Tool arbeiten, setze ich Quizlet bereits im Unterricht ein. Und außerdem gibt es Quizlet-Hausaufgaben. Die Idee dabei sehr einfach: Wenn die Schüler erst einmal alle Vokabeln können, ist es sehr viel einfacher Texte und Grammatikübungen im Unterricht durchzugehen.

Technische Hürden

In der Regel ist es so, dass heute jeder ein Smartphone hat, auf dem Quizlet läuft. Selbst die alten Handys sind gut genug um mit dem Tool zu arbeiten. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass ältere Kursteilnehmer aber auch jüngere mit geringerem Bildungsniveau nicht so gut mit dem Handy umgehen können, wie sie es aussieht. Und genau das ist auch der Grund, warum Quizlet bei mir im Unterricht von Anfang an eingesetzt wird. Die Teilnehmer lernen im Unterricht mit den einzelnen Funktionen und Einstellungen umzugehen. Am Ende des ersten Kurstages kann ich dann bereits Quizlet-Hausaufgaben aufgeben.

Der Ablauf im Unterricht

Nun möchte ich die Schüler im Unterricht nicht allein mit dem Vokabeltrainer lernen lassen, sondern ich zeige ihnen Schritt für Schritt wie sie beim Lernen vorgehen müssen. Dazu benutzen sie sowohl die Quizlet-App auf ihrem Smartphone als auch Papier und Bleistift. Natürlich braucht man keinen Bleistift für die App auf dem Smartphone. Ich sage den Schülern jedoch, dass sie einen Bleistift benutzen sollen.

Der Einsatz von Papier und Bleistift ist enorm wichtig, weil dadurch das Lernen intensiviert wird. Was heißt das genau? Schauen wir uns das mal aus der Sicht der Sinne an …

Mit allen Sinnen lernen

Die wichtigsten Sinne beim Lernen sind der Sehsinn (visuell), der Hörsinn (auditiv) und das Gefühl oder die Bewegung (kinästhetisch) . Nehmen wir einmal an, der Schüler lernt mit dem Vokabeltrainer und sieht ein geschriebenes Wort und ein Bild, dass die Bedeutung untermalt. Der Schüler nimmt zwei verschiedene visuelle Informationen wahr, das heißt er sieht zwei verschiedene Dinge, nimmt diese mit den Augen auf und das Gehirn verarbeitet die Information.

Muss der Schüler die Information wiedergeben, also etwas in der App eingeben, dass muss sein Gehirn die visuelle Information verarbeiten und die Daumenmuskeln kinästhetisch ansteuern. Dabei wechselt das Gehirn von einem Sinn zu einem anderen und baut automatisch neue Synapsen auf bzw. festigt die Synapsen, falls sie schon vorhanden sind.

Genauso sieht es aus, wenn der Schüler das Wort oder den Satz vorgelesen bekommt. Um das Wort dann schreiben zu können, muss das Gehirn wieder einen Sinneswechsel vornehmen.

Je mehr und je öfter die Sinnes während einer Lerneinheit gewechselt wird – also eine Lerneinheit wäre hier ein Wort oder ein Satz – desto intensiver arbeitet und lernt das Gehirn.

Und wo bleibt jetzt der Bleistift?

Papier und Bleistift sind ein anderes Medium. Während der Lerneinheit wechselt der Schüler das Medium und dabei muss das Gehirn wieder umdenken und wird erneut gefordert. Der Schüler trainiert also seine Gehirnmuskeln auf zwei Ebenen: einerseits durch Wechseln der Sinne und andererseits durch Wechseln des Mediums.

Noch einmal kurz und knapp

Vokabeltrainer kann man nicht nur zu Hause, sondern man kann sie vor allem auch im Unterricht einsetzen. Der Vorteil im Unterricht ist ganz einfach: Als Trainer stelle ich sicher, dass die Teilnehmer mit dem Tool umgehen können. So können sie problemlos zu Hause damit arbeiten. Bedienungs- und technische Schwierigkeiten räumt man im Unterricht aus dem Weg.

Als Trainer stelle ich nicht nur sicher, dass sie damit arbeiten können, sondern ich zeige ihnen auch, wie sie damit am effizientesten arbeiten. Dazu wechseln sie nicht nur beim Arbeiten mit dem Vokabeltrainer die Sinne, sondern sie wechseln auch noch das Medium. Konkret heißt das: Sie wechseln zwischen Smartphone und Papier und Bleistift hin und her und maximieren damit den Lernerfolg.

Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Dipl. Übersetzer, MBA, Language-Coach, NLP-Master, Hypno-Coach Carsten hat als Übersetzungsmanager in über 25 Sprachen gearbeitet, von denen er mehrere fließend spricht. Seit 2010 ist er selbstständig als Language Coach tätig. Die aus der intensiven Ausbildung in neuro-linguistischem Programmieren (NLP) und Hypnose erworbenen Erkenntnisse machen Carstens Sprach-Coaching so effizient und erfolgreich.

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