Hausaufgaben kontrollieren

Immer wenn ich Hausaufgaben höre, denke ich automatisch an meine Schulzeit. Ich höre den Lehrer sagen: „… und die Hausaufgaben zur nächsten Stunde sind …“ und zeitgleich hörte man das einheitliche Stöhnen der Schüler. Keiner wollte Hausaufgaben machen, jeder wollte am Nachmittag spielen. Und wir alle wussten, dass der Lehrer die Hausaufgaben kontrollieren würde.

Heute bin ich Lehrer und habe meine eigene Schulzeit nicht vergessen. Bei mir gibt es keine Hausaufgaben der Hausaufgaben wegen, sondern ich möchte wichtige Lernzeit nicht mit Vokabellernen oder Routineübungen vergeuden. Idealerweise machen die Schüler das zu Hause. Und natürlich möchte ich die Hausaufgaben kontrollieren.

Vokabellernen zu Hause und vor dem Unterricht

Was ich heute als Lehrer an Hausaufgaben so toll finde, ist, dass ich dadurch die Schüler vor dem Unterricht bereits auf den gleichen Stand bringe. Im Deutschkurs geht es mir dabei vor allem um die Vokabeln. Nehmen wir einmal an, ich möchte die lokalen Präpositionen erklären und habe einen Beispielsatz wie „Der Ball liegt auf dem Buch.“ Kennt der Schüler auch nur eines der Wörter aus dem Satz nicht, dann wird es ihm schwer fallen die Grammatik dahinter zu verstehen. Deshalb darf der Schüler die Vokabeln zu Hause lernen. Im Unterricht geht es dann viel viel leichter.

Wie lernen oder was lernen, oder beides?

Lehrer erklären die Dinge, die die Schüler lernen sollen. Dabei gehen sie davon aus, dass der Schüler die Erklärungen versteht und lernt. Zu Hause dürfen die Schüler dann einige Dinge wiederholen, um das bereits Gelernte zu festigen. So war es zumindest früher zu meiner Schulzeit. Um auch bei heutigen Lehrerfortbildungen sehe ich dieses Muster immer noch.

Natürlich ist nichts entweder schwarz oder weiß. Ich provoziere, und jeder darf sich selbst aussuchen, ob ihm der schwarze oder der weiße Schuh besser passt.

Der Lehrer erklärt, was der Schüler lernen soll, er erklärt ihm aber nicht wie er es lernen sollen. „Bis morgen bitte die Vokabeln aus Lektion 7 lernen“, bekommen die Schüler als Hausaufgabe zur nächsten Stunde. Alles klar. Und los. Ja, und was macht der Schüler nach dem Unterricht? Richtig.Er überlegt sich eine Lernstrategie und eine Lernmethode selbst, oder er nimmt eine, die er bereits kennt.

Lernmethoden und Lernstrategien im Unterricht sollte ein Unterrichtsfach sein. Das würde den Schülern in allen Fächer – und im Leben – helfen.

Ist Vokabeln-Nicht-Lernen strafbar?

Das Nicht-Lernen darf Konsequenzen haben. Das ist so wie mit dem Stehlen: Wenn Diebstahl nicht strafbar wäre, würden viele oder vielleicht sogar sehr viele Menschen stehlen. Vergleiche hinken natürlich immer und so auch dieser. Diebstahl fügt anderen Menschen Schaden zu. Daher ist Diebstahl – auch wenn er legal wäre – moralisch nicht in Ordnung.

Und wie ist es beim Vokabeln-Nicht-Lernen? Ja, das ist legal. Ich darf nicht die Polizei rufen, denn es ist nicht strafbar faul zu sein. Und ist es moralisch in Ordnung? Wenn ein Schüler seine Vokabeln nicht lernt, dann bremst er dadurch den Unterricht. Er versteht die Grammatik nicht, weil er bereits Probleme auf Wortebene hat. Er stört durch Nachfragen zu Wortbedeutungen. Die Antworten helfen den anderen Schülern nicht, weil die ja die Vokabeln zu Hause gelernt haben. Also fügt das Vokabeln-Nicht-Lernen den anderen Schülern Schaden zu. Gehe ich jetzt davon aus, dass der Schüler den Kurs selbst bezahlt hat, oder ich sage Zeit ist gleich Geld, dann gibt es keinen großen Unterschied mehr zwischen Diebstahl und Vokabeln-Nicht-Lernen.

Wie kann ich die Hausaufgaben kontrollieren?

Gute Frage. Dafür gibt es natürlich Tools. Bleiben wir hier erst einmal beim Thema Vokabeln. Und weil ich ja schon den letzten Episoden von Quizlet gesprochen hatte, schauen wir hier einmal, wie man Quizlet die Hausaufgaben kontrollieren kann. Zugegeben: Quizlet ist nicht gerade das beste Tool um das Lernen zu kontrollieren, und doch geht es. Hier also die Praxis. Sicher lässt sich der eine oder andere Tipp auch auf andere Tools anwenden.

Ich gehe zunächst vom schlimmsten Fall aus. Ich denke also an den Schüler, der nicht lernen will, keine Lust hat, keine Zeit hat und so weiter. Den guten Schüler brauche ich nicht zu kontrollieren, weil ich ja weiß, dass er lernt.

Bei mir ist die Konsequenz für Hausaufgaben nicht machen sehr einfach: Ich zeige es allen. Quizlet hat dafür eine kleine und sehr effiziente Funktion. Voraussetzung ist allerdings, dass ich einen Kurs angelegt habe und die Schüler in diesem Quizlet-Kurs eingeschrieben sind.

Hier sind die Schritte:

  1. In der linken Spalte auf den Kursnamen klicken
    In der Mitte ist jetzt die Liste der Lernsets aus diesem Kurs.
  2. Rechts neben dem Lernset auf das Gruppen-Symbol klicken
    Lernset-Liste im Kurs (Hausaufgaben kontrollieren)

    Lernset-Liste im Kurs

Jetzt wird der Kursfortschritt angezeigt.

Kursfortschritt auf Quizlet zum Hausaufgaben kontrollieren

Kursfortschritt auf Quizlet

Hier sind die sechs Lernmodi von Quizlet. Vier davon kann man auch auf dem Smartphone nutzen.

  • Grau bedeutet: Der Schüler hat nichts gemacht.
  • Dunkel bedeutet: Der Schüler hat etwas gemacht. Ein Vokabel reicht schon um das Symbol dunkel anzuzeigen.
  • Ein grüner Punkt mit Haken bedeutet: Der Schüler hat das ganze Lernset mit dieser Funktion bearbeitet.

Als Hausaufgabe gebe ich nun zum Beispiel „Karteikarten – Lernset xy“ auf. Und in der nächsten Stunden zeige ich diesen Lernfortschritt der ganzen Gruppe mit dem Projektor.

Hat ein Schüler keinen grünen Punkt mit Haken, frage ich direkt nach dem Grund.

Das Ergebnis ist ganz einfach: Keiner will sich vor der ganzen Gruppe rechtfertigen müssen, also machen alle (oder fast alle) ihre Hausaufgaben.

Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Carsten ist Dipl. Übersetzer, MBA, NLP-Master, Hypno-Coach und Google Certified Educator. Außerdem ist er überzeugter Polygott und arbeitet seit 2010 als Language Coach, Sprachtrainer und Blended Learning Consultant bei der Language Mining Company.

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