Grammatik – ja oder nein

Grammatik klingt nicht gerade besonders sexy und doch wollen es viele – auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen.

Grammatik oder nicht – wie soll ich mich entscheiden?

„Habe ich denn eine Chance?“ werden sich viele jetzt fragen. Hmm, also eigentlich nicht. Es ist nicht wirklich eine Frage, die ich mir beantworte, sondern die mir beantwortet wird. So reicht es schon aus, wenn ich mich in einen Kurs an einer Sprachenschule einschreibe. Nicht selten sind es dann noch nicht einmal deutsch oder österreichische Muttersprachler, die dort unterrichten, sondern vor allem Menschen aus Ländern wie Tschechien, Ungarn oder Russland unterrichten inzwischen bei uns die deutsche Sprache. Und sie tun das sehr gut und mit viel Erfolg.

Bei vielen Deutschlehrern aus diesen Ländern ist mir aufgefallen, dass die wahre Experten in Sachen Grammatik sind. Oft können sie die Grammatik, bevor sie die Sprache lernen. Es sind exzellente Deutschlehrer, die vor allem gut darin sind, die Lerner auf die Prüfungen vorzubereiten. Und wer Spaß daran findet, Sprache über Regeln zu lernen, der findet diesen Unterrichtsstil sicher auch interessant.

Wähle ich zum Sprachenlernen zum Beispiel ein Tool wie Duolingo in Kombination mit Memrise, oder lerne ich die Sprache über transkribierte Vorträge auf TED oder durch das Lesen von Büchern, dann ist es tatsächlich möglich, völlig auf Grammatik zu verzichten.

Und doch funktioniert es nicht immer, denn wir brauchen die Grammatik. Und der Grund dafür ist eigentlich ziemlich absurd. Es liegt daran, dass wir über den Schulunterricht Grammatik eingetrichtert bekommen haben. Wir glauben daher also, dass wir die Grammatik brauchen, so wie wir die Mathematik für die Physik brauchen.

Grammatik ist allerdings ein abstraktes Regelwerk, das bei besonders unregelmäßigen Sprachen gar keinen Sinn macht. Und selbst im Deutschen gibt Dinge, die eine Regel überflüssig machen. So könnte der Unterschied zwischen „auf die Straße“ und „auf der Straße“ noch über Dativ- und Akkusativ-Regeln erklärt werden. „Frage“ ich allerdings „den Mann“ und ich „sage“ aber „dem Mann“, dann macht weder der Dativ noch der Akkusativ Sinn. Hierbei lerne ich doch viel lieber über das Gefühl, weil mir die Regel rein gar nichts bringt.

Und ja, man kann „mit Regeln“ und „mit Gefühl“ in jedem Unterricht kombinieren. Das ist das, was ich tue und es macht nicht nur mir, sondern vor allem den Lernern Spaß.

Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Carsten ist Dipl. Übersetzer, MBA, NLP-Master, Hypno-Coach und Google Certified Educator. Außerdem ist er überzeugter Polygott und arbeitet seit 2010 als Language Coach, Sprachtrainer und Blended Learning Consultant bei der Language Mining Company.

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