Engländer und Fremdsprachen – passt das zusammen?

Können die Engländer keine Fremdsprachen oder wollen sie es nicht?

„Wir, die Engländer, sind eine Nation von überzeugten Nicht-Schwimmern, die vor einem Schwimmbecken stehen.“ So steht es in einem Artikel der Zeitung The Telegraph.

John Worne, der den Titel Director of Strategy at the British Council trägt, lamentiert die Fähigkeit und die Bereitschaft der Britin eine oder sogar mehrere Fremdsprachen zu erlernen.

Ist es normal viele Sprachen zu sprechen?

Ich finde es immer wieder spannend Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen und sprachlichen Hintergründen zu beobachten wie sie mit Sprache umgehen. Am spannendsten sind dabei natürlich diejenigen, die eine Vielzahl von Sprachen auf ganz natürliche Weise gelernt haben. Schulunterricht und Sprachschulen definiere ich hierbei gern als „unnatürlich“. Und ich frage ich, wann wir endlich damit aufhören.

In seinem Artikel bringt John Worne das Beispiel von einem afghanischen Taxifahrer, der mit Dari und Pashto in Afghanistan aufgewachsen ist, Urdu und Punjabi in Pakistan gelernt hat, Persisch und Türkisch in verschiedenen Flüchtlingslagern sprechen musste und sich schließlich Englisch in Großbritannien angeeignet hat. Und dieser Taxifahrer würde sich selbst nicht als außergewöhnlich bezeichnen.

Kann eine Nation tatsächlich besser Fremdsprachen lernen als eine andere?

Die Muttersprache und auch die Anzahl der bereits in der Kindheit gelernten Sprachen ist auf jeden Fall ausschlaggebend für die Fähigkeit weiter Sprachen zu lernen. Wir hatten darüber bereits in der Episode Erste Fremdsprache ebnet den Weg für die zweite gesprochen.

Ebenso gestaltet sich das Erlernen weitere Sprachen als schwieriger, wenn in der Muttersprache nur wenige Laute und eine einfache Struktur vorhanden sind. Jedoch glaube ich, dass man diese Aspekte wirklich vernachlässigen kann. Es gibt andere Dinge, die einen weitaus größeren Einfluss auf den Erfolg beim Erlernen einer Fremdsprache haben.

Manche Menschen mit einem bestimmten sprachlichen und kulturellen Hintergrund lernen leichter Sprachen als andere. Das hat bestimmt jeder schon einmal gesehen oder erlebt. Und wenn wir uns das mal etwas genauer ansehen, dass stellen wir meisten zwei Dinge fest:

  1. Sie denken nicht lange darüber nach bzw. stellen das Erlernen einer Sprache nicht infrage.
  2. Sie müssen es aus wirtschaftlichen Gründen tun.

Nicht lange über das Sprachenlernen nachdenken

Wir haben in diesen Breitengraden so etwas, das wir Schulsystem nennen. In der westlichen Welt glauben wir immer noch, dass Fremdsprache über das Schulsystem, also als Unterrichtsfach, vermittelt werden sollte. Und dass man es dann im Ausland perfektionieren kann, wenn man möchte bzw. sofern man bis dahin nicht die Lust daran verloren hat.

Unsere Eltern leben uns dann auch noch Verhaltensweisen vor, die wir nachahmen. Sie reden mit den Menschen, die ihre Sprache sprechen, und sie gehen den Menschen aus dem Weg, die ihre Sprache nicht sprechen. Darüber hinaus verlangen sie auch noch von den Menschen, die als Einwanderer in ihr Land kommen, dass sie ihre Sprache lernen. Wir kopieren diese Verhaltensweise. Wir denken darüber nach und tun es nicht einfach. In anderen Ländern ist das anders, so wie wir am Beispiel des afghanischen Taxifahrers gesehen haben.

Fremdsprachen sind aus wirtschaftlichen Gründen nicht notwendig

Engländer sind vermutlich bewusst oder unbewusst davon überzeugt, dass Englisch eine Weltsprache ist und jeder Englisch kann. Und tatsächlich kommt man mit Englisch sehr sehr weit in dieser Welt. Natürlich kommt es immer darauf an, was man erreichen möchte. Also, mit welchen Menschen man kommunizieren möchte. Nicht jeder kann Englisch und wenn, dann nicht immer auf einem Niveau, das die Kommunikation angenehm gestalten würde.

Die meisten Menschen wissen, dass Fremdsprachen ihre wirtschaftliche Situation verbessern. Sie können mit mehr Menschen kommunizieren und damit auch mehr Geschäfte machen. Und sie können auch mehr Beziehungen aufbauen, die letztendlich wieder einen wirtschaftlichen Einfluss auf ihre Lebenssituation haben.

Fazit

Man darf den armen Engländern jetzt nicht unbedingt einen Vorwurf machen, denn sie sind nicht die einzigen, denen die Fremdsprachen nicht unbedingt mit in die Wiege gelegt wurden. Die landesweite Grundeinstellung, die Erziehung, das Schulsystem und vor allem Englisch als Mutter- und Weltsprache der Nation sind große Hürden, die sie zu überwinden haben.

Ich habe bereits sehr viele Engländer kennengelernt, die sehr gute und sehr umfangreiche Sprachkenntnisse vorweisen konnten. Daher ist mein Fazit: Ja, sie können es genauso wie jeder andere. Es darf ich nur etwas verändern, damit sich die Zahl der britischen Polyglotts landesweit erhöht.

Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Carsten ist Dipl. Übersetzer, MBA, NLP-Master, Hypno-Coach und Google Certified Educator. Außerdem ist er überzeugter Polygott und arbeitet seit 2010 als Language Coach, Sprachtrainer und Blended Learning Consultant bei der Language Mining Company.

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