Deutscher Rap: Scheiß Texte – hoher Lernerfolg

Warum eigentlich deutscher Rap?

Es gibt so viel schönes deutsches Liedgut mit wohlklingenden Texten – warum muss es denn ausgerechnet deutscher Rap sein? Nein, muss es ja nicht. Udo Jürgens oder Helene Fischer kann man ja auch zum Sprachen lernen nehmen.

Nun bin ich im Moment sehr mit jugendlichen Flüchtlingen beschäftigt, die in kürzester Zeit Deutsch lernen sollen. Die Sprache als Einstieg in die Kultur sozusagen. Wir bringen denen alles bei, was sie im richtigen Leben gebrauchen können: kochen, putzen, Höflichkeit und pünktlich sein, und sogar Mathematik und Geschichte als Vorbereitung auf den Pflichtschulabschluss.

Damit die Sprache reingeht, hilft der Rhythmus

Und welche Musikart könnte mehr monotone Beats haben als der Rap, deutscher Rap? Natürlich hab ich mir das nicht nur so ausgedacht, denn … also, ja dann würde ich denen ja praktisch eine Musik wie ein Medikament verschreiben. Und wer will das schon schlucken?

Ich hab einfach nur zugehört und beobachtet. Sie hören in ihrer Freizeit sehr viel Musik aus ihrem Herkunftsland und das ist bei der Gruppe, die ich zurzeit betreue, hauptsächlich Afghanistan und der Iran. Und was für Musik? Tja, so Lieder, die für mich irgendwie wie persische Schlager klingen und dann haben sie auch ein Kontrastprogramm. Vor allem sind es diejenigen, die einen etwas höheren Bildungsstand haben. Und die hören Rap. Kein deutscher Rap, sondern persischer.

Natürlich habe ich keine Ahnung, was das für Texte sind. Es muss aber irgendwas sozial-kritisches, politisch-angehauchtes sein, sonst würde die Musikrichtung nicht passen. Man singt in einem Rap nicht von Friede, Freude, Eierkuchen, oder es wäre eine Verarsche.

Rap-Musik ist nun nicht gerade meine große Leidenschaft und mich im Deutschunterricht mit Sozialkritik und Politik auseinanderzusetzen liegt mir fern. Ich habe es dann lieber positiv, lustig und manchmal auch etwas albern. Den Schülern gefällt’s. Also ist alles gut. Und dennoch wollte ich testen, wie sie auf deutschen Rap ansprechen. Und wenn sie das tun, dann würden sie noch mehr Deutsch lernen, mehr Spaß an der Sprache haben und sich noch besser integrieren.

Ich habe wirklich versucht nach harmloser Rap-Musik zu suchen. Hmm, da gibt es nicht so viel. Und wenn, dann ist es eher rappiger Pop oder so. Egal, nach vielen Hin und Her haben die Jungs mir dann ein Lied vorgeschlagen, das überhaupt nichts mit Rap zu tun hat, sehr wohl aber einen schönen Text hat. Und darum geht es ja im Deutschunterricht.

Das Ausschlaggebende an dem Song ist die Herkunft der Sängerin. Es ist eine Iranerin, die auf Deutsch singt. Und das ist schon etwas besonderes.

Mein Fazit ist, dass man mit Musik einfach toll Sprache lernen kann. Die einzelnen Sätze gehen mit dem Rhythmus sozusagen direkt ins Blut. Allerdings darf man aufpassen, dass die Texte auch dann später im richtigen Leben zu gebrauchen sind.

Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Dipl. Übersetzer, MBA, Language-Coach, NLP-Master, Hypno-Coach Carsten hat als Übersetzungsmanager in über 25 Sprachen gearbeitet, von denen er mehrere fließend spricht. Seit 2010 ist er selbstständig als Language Coach tätig. Die aus der intensiven Ausbildung in neuro-linguistischem Programmieren (NLP) und Hypnose erworbenen Erkenntnisse machen Carstens Sprach-Coaching so effizient und erfolgreich.

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