Das perfekte Mittel gegen das Vergessen

Wer kennt das nicht: Du bist unterwegs und siehst ein Wort oder einen Satz, den du dir merken möchtest. Vielleicht holst du vorher noch dein Wörterbuch heraus und schlägst das eine oder andere Wort nach. Und das machst du alles, um später den Satz dann wieder zu vergessen. Ist das nicht frustrierend? Was kann man tun?

Was passierst beim Vergessen?

Das ist relativ simpel. Das Vergessen ist die Standardfunktion des Gehirns. Überflüssige Information wird einfach gelöscht. Unser Gehirn schützt uns vor einem überhöhten Stress-Level. Aus Sicht der Synapsen könnte man sagen, dass diese einfach nicht stark genug um das Wort bei der nächsten Abfrage aus dem Speicher zu holen. Oder wir nennen es einfach Kurzzeitgedächtnis. Ganz nach Belieben. Wir müssen es hier nicht im Detail erklären. Fakt ist, dass wir oft Wörter nachschlagen und diese dann gleich wieder vergessen. Und damit das nicht passiert, muss ich mir eine Strategie überlegen, mit der ich eben diesem Phänomen entgegenwirke. Es gibt zwei Mittel, die man auch gut kombinieren kann. Und Nebenwirkungen gibt es praktisch keine. Ein Mittel ist Spaced Repetition und das andere ist Mnemotechnik. In diesem Artikel geht erst einmal um Spaced Repetition.

Spaced Repetition – die zeitgesteuerte Wiederholung

Nehmen wir einmal an, ich schlage ein Wort nach. Dann ist dieses Wort jetzt in meinem Gedächtnis. Mein Gehirn will es nach kurzer Zeit wieder löschen. Genau in dem Moment, in dem mein Gehirn versucht das Wort zu löschen, schlage ich es erneut nach. Damit ist es wieder in meinem Gedächtnis – und dieses Mal sogar noch stärker als zuvor. Mein Gehirn gibt allerdings noch lange nicht auf. Es versucht wieder das Wort zu löschen. Da das Wort aber jetzt stärker im Gehirn verankert ist, braucht mein Gehirn länger, vermutlich mindestens doppelt so lang.
Und wieder kurz vor dem Moment, in dem ich das Wort vergessen würde, schlage ich es noch einmal nach. Jetzt ist es noch stärker, noch tiefer in meinem Gehirn. Und so weiter, und so weiter.

Diese Vorgehensweise nennt man Spaced Repetition und sie wird schon seit den 50er Jahren erforscht.

Welches Tool?

Das einzige, was an dieser Vorgehensweise stört, ist, dass man das Wort immer wieder nachschlagen muss. Das kostet unheimlich viel Zeit und ist nicht besonders effizient. Wie immer gibt es dafür natürlich Tools, die man kostenlos oder für kleines Geld bekommt.
Ich hatte schon einmal über tinycards geschrieben: ein tolles Tool um schnell mal die eine oder andere Vokabel in eine Liste aufzunehmen. Auch über Quizlet hatte ich schon einige Episoden veröffentlicht.
Es gibt nämlich tatsächlich zwei Probleme beim „Nachschlagen“: einerseits musste ich früher das Wort im Wörterbuch suchen und mir dann auch die Seite merken, auf der das Wort steht. Das Merken übernimmt eine App wie zum Beispiel tinycards oder Quizlet von allein, das Nachschlagen muss ich allerdings selbst machen.
Es ist relativ egal, welches Tools man nimmt. Vor- und Nachteile gibt es immer. Hier einige Anhaltspunkte, auf die man achten sollte.

Eigene Wörter oder fertige Listen?

Wähle ich ein Tool, das fertige Vokabellisten anbietet, dann spare ich mir viel Arbeit, allerdings lerne ich nur die Wörter, die jemand anderes in die Liste aufgenommen hat, aber nicht meine eigenen Wörter. Fertige Listen eignen sich sehr gut, wenn man noch ganz am Anfang steht
Eigene Wörter bedeutet hier, dass ich genau die Wörter lerne, die ich benötige, und die ich sonst im Wörterbuch nachgeschlagen hätte. Dafür gibt es keine fertigen Listen. Ich muss also selbst so eine Liste erstellen. Memrise ist ein Tool, das sehr gute und umfangreichen Listen für viele Sprachen hat. Quizlet und tinycards haben auch viele Listen, allerdings gibt es nur benutzergenerierte Inhalte und da ist die Qualität natürlich fragwürdig. Außerdem gibt kaum Listen, die aufeinander aufbauen.

Eigene Wörter aufnehmen

Bereits im Artikel über tinycards hatte ich beschrieben, wie man eigene Wörter schnell aufnehmen kann. Also, jedes Mal, wenn ich zum Beispiel ein neues Wort nachschlage oder die Bedeutung von einem Muttersprachler höre, dann nehme ich schnell mein Smartphone, starte die App und gebe das Wort ein.
Quizlet hat eine relativ neue Funktion, mit der man Inhalte einfach abfotografieren kann, d. h. man macht ein Foto von einem Satz im Internet, in einer Zeitung oder einem Buch, und Quizlet scannt das Fotos und erkennt den Text. Danach brauche ich nur noch auf jedes Wort zu tippen, dass ich übernehmen möchte und fertig.
Es gibt also Tools und Möglichkeiten um das Lernen zu beschleunigen und vor allem, um das Lernen effizienter zu gestalten. Niemand möchte Zeit vergeuden und schon gar nicht mit unnützen Dingen.
Carsten Peters

About the Author

Carsten Peters

Carsten ist Dipl. Übersetzer, MBA, NLP-Master, Hypno-Coach und Google Certified Educator. Außerdem ist er überzeugter Polygott und arbeitet seit 2010 als Language Coach, Sprachtrainer und Blended Learning Consultant bei der Language Mining Company.

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